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Krankengeld 2026: Höhe, Dauer und was nach der Aussteuerung kommt

70 Prozent des Bruttos, höchstens 90 Prozent des Netto, maximal 78 Wochen. Was nach der Aussteuerung passiert und wie es mit dem Arbeitslosengeld weitergeht.

SteuerGenau Redaktion30. Juli 2026Zuletzt geprüft: 30. Juli 2026
Krankengeld 2026: Höhe, Dauer und was nach der Aussteuerung kommt

Wie hoch ist das Krankengeld 2026?

Das Krankengeld beträgt nach Paragraf 47 SGB V 70 Prozent des regelmäßigen Bruttoarbeitsentgelts, höchstens jedoch 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts. Es gilt immer der niedrigere der beiden Werte.

Bei 3.500 Euro brutto und rund 2.336 Euro netto sind 70 Prozent vom Brutto 2.450 Euro, 90 Prozent vom Netto aber 2.102 Euro. Ausgezahlt werden also 2.102 Euro brutto Krankengeld. Davon gehen noch Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung ab, sodass etwa 1.870 Euro ankommen.

Krankengeld nach Bruttogehalt

Werte gerundet, Steuerklasse I, ohne Kinder.

Brutto/Monat70 % Brutto90 % NettoKrankengeld
2.500 €1.750 €1.605 €1.605 €
3.000 €2.100 €1.860 €1.860 €
3.500 €2.450 €2.102 €2.102 €
4.500 €3.150 €2.565 €2.565 €
6.000 €4.069 €3.150 €3.150 €

Ab einem Brutto von rund 5.812 Euro im Monat greift die Beitragsbemessungsgrenze von 69.750 Euro im Jahr und deckelt das Krankengeld. Der Krankengeld-Rechner berücksichtigt das.

Ab wann zahlt die Krankenkasse?

In den ersten sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung in voller Höhe. Erst ab dem 43. Tag derselben Erkrankung übernimmt die Krankenkasse mit Krankengeld.

Wichtig ist die lückenlose Krankschreibung. Wer die Folgebescheinigung zu spät holt, riskiert das Ruhen des Anspruchs. Seit der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung meldet die Praxis direkt an die Kasse, die Verantwortung für die rechtzeitige Feststellung bleibt aber bei Ihnen.

Wie lange gibt es Krankengeld?

Höchstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren, gerechnet ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Krankheit. Die sechs Wochen Lohnfortzahlung werden angerechnet, es bleiben also maximal 72 Wochen echtes Krankengeld.

Kommt während einer laufenden Arbeitsunfähigkeit eine weitere Erkrankung hinzu, verlängert das den Anspruch nicht. Nur eine völlig neue Erkrankung nach zwischenzeitlicher Genesung startet einen neuen Zeitraum.

Was passiert nach der Aussteuerung?

Nach 78 Wochen endet der Anspruch, das nennt sich Aussteuerung. Die Krankenkasse kündigt das schriftlich an, meist drei Monate vorher. Danach gibt es drei Wege.

Erstens: Wer wieder arbeitsfähig ist, kehrt in den Job zurück, oft über eine stufenweise Wiedereingliederung. Zweitens: Wer dauerhaft nicht mehr kann, beantragt Erwerbsminderungsrente. Drittens greift der Nahtlosigkeitsfall nach Paragraf 145 SGB III, bei dem die Agentur für Arbeit Arbeitslosengeld zahlt, obwohl Sie noch krank sind.

Wie hoch ist das Arbeitslosengeld nach Krankengeld?

Bemessungsgrundlage ist das Arbeitsentgelt der letzten zwölf Monate vor der Arbeitslosigkeit, nicht das Krankengeld. Zeiten mit Krankengeld bleiben bei der Berechnung außen vor, sodass Ihr früheres Gehalt zählt.

Das Arbeitslosengeld beträgt 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent. Melden Sie sich unbedingt spätestens am ersten Tag nach der Aussteuerung arbeitslos, sonst drohen Lücken. Die Höhe rechnet der Arbeitslosengeld-Rechner aus, mehr dazu im Ratgeber zum Arbeitslosengeld.

Ist Krankengeld steuerpflichtig?

Krankengeld ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Es erhöht also den Steuersatz auf Ihre übrigen Einkünfte. Wer im Jahr Krankengeld bezogen hat, muss eine Steuererklärung abgeben und rechnet häufig mit einer Nachzahlung.

Bei 12.000 Euro Krankengeld und 20.000 Euro Arbeitslohn wird der Steuersatz so berechnet, als hätten Sie 32.000 Euro verdient, angewendet aber nur auf die 20.000 Euro. Wie stark das wirkt, zeigt der Einkommensteuer-Rechner.

Welche Beiträge gehen vom Krankengeld ab?

Das Krankengeld ist brutto ausgewiesen. Davon zahlen Sie weiterhin Ihren Anteil an Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung, die Krankenkasse übernimmt den Rest. Beiträge zur Krankenversicherung selbst fallen während des Bezugs nicht an.

BeitragAnteil Versicherterbei 2.102 € Krankengeld
Rentenversicherung9,3 %ca. 98 €
Arbeitslosenversicherung1,3 %ca. 14 €
Pflegeversicherung1,7999999999999998 %ca. 19 €
Auszahlungca. 1.971 €

Wer kinderlos und über 23 ist, zahlt zusätzlich 0,6 Prozent Zuschlag zur Pflegeversicherung. Die Rentenansprüche laufen während des Krankengeldbezugs weiter, allerdings auf Basis von 80 Prozent des vorherigen Bruttos.

Was ist Kinderkrankengeld?

Wenn ein Kind unter zwölf Jahren krank ist und betreut werden muss, gibt es Kinderkrankengeld. Es beträgt wie das normale Krankengeld 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts, gedeckelt auf 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze.

Der Anspruch besteht je Elternteil und Kind für eine begrenzte Zahl von Arbeitstagen im Jahr, bei mehreren Kindern mit einer Gesamtobergrenze. Alleinerziehende erhalten die doppelte Anzahl. Voraussetzung ist eine ärztliche Bescheinigung über die Notwendigkeit der Betreuung.

Kinderkrankengeld wird nicht auf die 78 Wochen des eigenen Krankengeldanspruchs angerechnet, weil es ein eigenständiger Anspruch nach Paragraf 45 SGB V ist.

Bekommen Selbstständige Krankengeld?

Nur mit Wahltarif. Freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige zahlen standardmäßig den ermäßigten Beitragssatz von 14,0 Prozent ohne Krankengeldanspruch. Erst der allgemeine Satz von 14,6 Prozent schließt Krankengeld ab dem 43. Tag ein.

Alternativ bieten Kassen Wahltarife mit früherem Beginn an, etwa ab dem 15. Tag, gegen Zusatzbeitrag. Wer als Selbstständiger ohne Rücklagen arbeitet, sollte das prüfen, denn ohne Absicherung fällt bei längerer Krankheit das komplette Einkommen aus. Was das für die Gesamtbelastung bedeutet, zeigt der Selbstständigen-Rechner.

Privat Versicherte schließen stattdessen eine Krankentagegeldversicherung ab, deren Höhe und Karenzzeit frei vereinbart werden.

Wie funktioniert die stufenweise Wiedereingliederung?

Beim sogenannten Hamburger Modell kehren Sie schrittweise in den Job zurück, etwa mit zwei Stunden täglich, später vier, dann sechs. Formal bleiben Sie dabei arbeitsunfähig und beziehen weiter Krankengeld, der Arbeitgeber zahlt kein Gehalt.

Der Arzt stellt einen Stufenplan aus, Krankenkasse und Arbeitgeber müssen zustimmen. Üblich sind sechs Wochen bis sechs Monate. Weil das Krankengeld weiterläuft, verkürzt die Wiedereingliederung Ihren 78-Wochen-Anspruch nicht zusätzlich, die Zeit zählt aber weiter mit.

Brechen Sie ab, weil die Belastung zu hoch ist, entsteht kein Nachteil. Sie sind weiterhin krankgeschrieben und der Anspruch läuft normal weiter. Die Wiedereingliederung ist der sicherste Weg zurück, weil sie Ihnen erlaubt, die Belastbarkeit zu testen, ohne den Krankengeldanspruch zu verlieren. Was bei dauerhafter Erwerbsminderung folgt, zeigt der Rentenlücken-Rechner.

Verfällt mein Urlaub während der Krankheit?

Nein, der gesetzliche Urlaubsanspruch entsteht auch während langer Arbeitsunfähigkeit weiter. Er verfällt allerdings 15 Monate nach Ende des Urlaubsjahres, also spätestens am 31. März des übernächsten Jahres.

Wer 2026 durchgehend krank ist, muss den Urlaub aus 2026 bis zum 31. März 2028 nehmen. Endet das Arbeitsverhältnis vorher, ist der nicht genommene Urlaub abzugelten. Den Anspruch berechnet der Urlaubsanspruch-Rechner.

Während des Krankengeldbezugs dürfen Sie Urlaub grundsätzlich nicht antreten, weil Sie arbeitsunfähig sind. Der Anspruch bleibt aber bestehen und kann nach der Genesung genommen oder bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausgezahlt werden.

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