Wie berechnet der Rentenlücke-Rechner Ihre Rentenlücke?
Die Rentenlücke ist Wunsch-Budget minus erwartete Rente, beides auf den Rentenbeginn hochgerechnet. Bei 2.500 Euro Wunsch-Budget, 1.600 Euro erwarteter gesetzlicher Rente und 25 Jahren bis zum Ruhestand beträgt die Lücke 1.249 Euro pro Monat in heutiger Kaufkraft. Nominal, also in Euro des Rentenjahres, sind es 2.050 Euro pro Monat.
Der Rechner arbeitet in drei Schritten. Erstens wird Ihr Wunsch-Budget mit der erwarteten Inflation bis zum Rentenbeginn fortgeschrieben. Zweitens wird Ihre gesetzliche Rente fortgeschrieben, allerdings schwächer, weil die Rentenanpassung der Preisentwicklung erfahrungsgemäß hinterherläuft. Drittens wird die verbleibende Differenz in ein Kapital und eine monatliche Sparrate umgerechnet.
Wichtig für die Einordnung: Der Rentenlücke-Rechner ist eine Modellrechnung mit frei wählbaren Annahmen zu Inflation und Rendite, keine Anlageberatung und keine Zusage der Deutschen Rentenversicherung. Die verlässliche Ausgangszahl steht in Ihrer jährlichen Renteninformation.
Welche Rente sollten Sie in den Rechner eintragen?
Tragen Sie die Bruttorente aus Ihrer Renteninformation ein, aber rechnen Sie mit einer deutlich niedrigeren Auszahlung: Von 1.913,40 Euro Bruttorente bleiben 2026 nach Kranken- und Pflegeversicherung nur 1.677,10 Euro übrig. Die Renteninformation nennt einen Bruttobetrag, überwiesen wird der Zahlbetrag.
Die Deutsche Rentenversicherung behält die Beiträge direkt von der Rente ein (DRV zur Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner). Pflichtversicherte Rentner tragen 7,3 Prozent Krankenversicherung, also die Hälfte des allgemeinen Beitragssatzes von 14,6 Prozent, plus die Hälfte des Zusatzbeitrags ihrer Krankenkasse. Die Pflegeversicherung von 3,6 Prozent zahlen Rentner in voller Höhe selbst, Kinderlose ab Jahrgang 1940 zahlen 4,2 Prozent.
Rechnen Sie mit rund 12,35 Prozent Abzug auf die Bruttorente, wenn Ihre Kasse den durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent erhebt. Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz für 2026 wurde vom Bundesministerium für Gesundheit nach § 242a SGB V auf 2,9 Prozent festgelegt; Ihre Kasse kann darüber oder darunter liegen, denn den Satz bestimmt jede Krankenkasse selbst. Was davon noch versteuert wird, zeigt der Rentenbesteuerung-Rechner; wann Sie überhaupt abschlagsfrei in Rente gehen können, klärt der Renteneintritt-Rechner.
Was wird von der gesetzlichen Rente 2026 abgezogen?
Auf eine Bruttorente von 1.913,40 Euro entfallen 2026 rund 236,30 Euro Sozialabgaben, das sind 12,35 Prozent. Steuern kommen erst hinzu, wenn Ihre gesamten steuerpflichtigen Einkünfte den Grundfreibetrag von 12.348 Euro übersteigen (§ 32a EStG).
| Abzugsposten | Satz 2026 | Auf 1.913,40 € Bruttorente | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|---|
| Krankenversicherung (Eigenanteil) | 7,3 % | 139,68 € | § 249a SGB V |
| Zusatzbeitrag (halber Durchschnittssatz) | 1,45 % | 27,74 € | § 242a SGB V |
| Pflegeversicherung (voll selbst) | 3,6 % | 68,88 € | § 55 SGB XI |
| Zahlbetrag | − 12,35 % | 1.677,10 € |
Bei Rentenbeginn im Jahr 2026 sind 84,0 Prozent der Jahresbruttorente steuerpflichtig, 16,0 Prozent bleiben als Rentenfreibetrag dauerhaft steuerfrei (§ 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Doppelbuchst. aa EStG). Der Rentenfreibetrag wird einmalig als Euro-Betrag aus der ersten vollen Jahresrente festgeschrieben und steigt bei späteren Rentenerhöhungen nicht mit.
Welche Rentenwerte gelten 2026?
Der aktuelle Rentenwert beträgt seit dem 1. Juli 2026 42,52 Euro pro Entgeltpunkt, zuvor waren es 40,79 Euro. Das ist eine Rentenanpassung von 4,24 Prozent, festgelegt in der Rentenwertbestimmungsverordnung 2026 (DRV zur Rentenanpassung 2026).
| Rechengröße 2026 | Wert | Bedeutung für Ihre Rentenlücke |
|---|---|---|
| Aktueller Rentenwert (ab 1.7.2026) | 42,52 € | Monatsrente je Entgeltpunkt |
| Rentenanpassung zum 1.7.2026 | + 4,24 % | Anhebung von 40,79 € auf 42,52 € |
| Vorläufiges Durchschnittsentgelt | 51.944 € | Wer so viel verdient, bekommt 1,0 Entgeltpunkt im Jahr |
| Beitragssatz Rentenversicherung | 18,6 % | Je zur Hälfte Arbeitnehmer und Arbeitgeber |
| Beitragsbemessungsgrenze RV | 8.450 € / Monat | Oberhalb entstehen keine weiteren Entgeltpunkte |
| Mindestsicherungsniveau vor Steuern | 48 % | Haltelinie, gesetzlich bis 2031 abgesichert |
Ein Standardrentner mit 45 Entgeltpunkten kommt damit auf 1.913,40 Euro Bruttorente im Monat (45 x 42,52 Euro). Diese Eckrente erreicht nur, wer 45 Jahre lang exakt durchschnittlich verdient hat. Die Zahlen für 2026 hat die Deutsche Rentenversicherung in ihrer Übersicht der Änderungen zum 1. Januar 2026 veröffentlicht.
Rechenbeispiel: 2.500 Euro Wunsch-Budget, 25 Jahre bis zur Rente
Bei 2.500 Euro Wunsch-Budget, 1.600 Euro erwarteter Rente, 25 Jahren Ansparzeit, 2,0 Prozent Inflation, 5,0 Prozent Rendite und 25 Jahren Rentendauer beträgt die Rentenlücke 1.249 Euro pro Monat in heutiger Kaufkraft. Zu schließen ist sie mit 432.217 Euro Kapital oder 726 Euro Sparrate im Monat.
| Rechenschritt | Betrag |
|---|---|
| Wunsch-Budget heute | 2.500,00 € |
| Wunsch-Budget zum Rentenbeginn (25 Jahre, 2,0 % Inflation) | 4.101,51 € |
| Erwartete Rente heute (laut Renteninformation) | 1.600,00 € |
| Erwartete Rente zum Rentenbeginn (halbe Inflationsrate) | 2.051,89 € |
| Lücke pro Monat (nominal) | 2.049,62 € |
| Lücke pro Monat (heutige Kaufkraft) | 1.249,31 € |
| Benötigtes Kapital zum Rentenstart (25 Jahre Entnahme, 3,0 % Realzins) | 432.217 € |
| Nötige Sparrate ab heute (5,0 % Rendite) | 725,79 € |
Die 432.217 Euro sind kein Betrag, der unangetastet liegen bleibt. Er wird über 25 Rentenjahre planmäßig aufgezehrt, während der Rest weiter verzinst wird. Wie sich ein solcher Kapitalstock Monat für Monat abbaut, zeigt der Entnahmeplan-Rechner.
Von den 725,79 Euro Sparrate stammen über 25 Jahre nur rund 218.000 Euro aus eigenen Einzahlungen, der Rest ist Zinseszins. Diesen Effekt können Sie mit dem Zinseszins-Rechner nachvollziehen.
Was kostet es, fünf Jahre später anzufangen?
Fünf Jahre später anzufangen kostet in diesem Beispiel 326 Euro mehr pro Monat: Statt 726 Euro sind dann 1.052 Euro Sparrate nötig, um dasselbe Kapital von 432.217 Euro zu erreichen. Die Sparrate steigt also um 45 Prozent, obwohl das Ziel unverändert bleibt.
Der Grund ist der Zinseszins. Bei 5,0 Prozent Rendite verdoppelt sich Kapital rechnerisch etwa alle 14 Jahre. Die ersten Sparjahre tragen deshalb überproportional viel zum Endkapital bei, die letzten fast nichts. Wer mit 30 statt mit 35 beginnt, spart über die gesamte Laufzeit weniger Geld ein und erreicht trotzdem mehr.
Als Orientierung gilt eine Sparquote von 10 bis 15 Prozent des Bruttoeinkommens als durchhaltbar. Liegt die errechnete Rate deutlich darüber, senken Sie das Wunsch-Budget, verlängern Sie die Ansparzeit, oder prüfen Sie geförderte Wege. Ihr aktuelles Netto und damit Ihren Spielraum ermitteln Sie mit dem Brutto-Netto-Rechner.
Warum entsteht die Rentenlücke überhaupt?
Die Rentenlücke entsteht, weil das Sicherungsniveau vor Steuern bei 48 Prozent liegt: Die Standardrente nach 45 Beitragsjahren beträgt nur knapp die Hälfte des Durchschnittseinkommens. Diese Haltelinie ist gesetzlich bis 2031 abgesichert; ohne sie würde das Niveau ab 2028 sinken.
Das Gesetz selbst kalkuliert die Lücke ein. In § 154 SGB VI ist die Sicherung des Rentenniveaus geregelt, und die Bundesregierung muss dem Bundestag regelmäßig Modellrechnungen zum Sicherungsniveau vor Steuern der kommenden 15 Jahre vorlegen. Zusätzliche private oder betriebliche Vorsorge ist im System als Ergänzung angelegt, nicht als Kür.
Hinzu kommt ein Effekt, den viele unterschätzen: Die Rentenanpassung folgt der Lohnentwicklung, nicht der Preisentwicklung. In Jahren mit hoher Inflation verliert die Rente real an Wert. Im Beispiel oben büßt die Rente von 1.600 Euro bis zum Rentenbeginn rund 349 Euro monatliche Kaufkraft ein, obwohl sie nominal auf 2.052 Euro steigt.
Die Haltelinie schützt zudem nur das Verhältnis von Standardrente zu Durchschnittslohn, nicht Ihre persönliche Rente. Wer weniger als das Durchschnittsentgelt von 51.944 Euro verdient, sammelt pro Jahr weniger als einen Entgeltpunkt und bleibt dauerhaft unter der Standardrente. Bei 40.000 Euro Jahresbrutto sind es 0,77 Entgeltpunkte pro Jahr, nach 45 Jahren also 34,65 Punkte oder 1.473 Euro Bruttorente statt 1.913,40 Euro.
Womit lässt sich die Rentenlücke schließen?
Der wirksamste Hebel ist der Arbeitgeberzuschuss zur Entgeltumwandlung: Arbeitgeber müssen 15 Prozent des umgewandelten Entgelts zusätzlich beisteuern, soweit sie dadurch Sozialversicherungsbeiträge sparen (§ 1a Abs. 1a BetrAVG). Aus 100 Euro Umwandlung werden so mindestens 115 Euro Beitrag, bevor überhaupt Rendite entsteht.
Vier Wege stehen realistisch zur Auswahl, und sie schließen sich nicht aus:
| Weg | Kernvorteil | Zu beachten |
|---|---|---|
| Betriebliche Altersvorsorge | 15 % Pflichtzuschuss, Beiträge brutto aus dem Entgelt | Auszahlung ist voll steuer- und beitragspflichtig |
| Riester-Rente | Direkte Zulagen, besonders bei Kindern | Nur für förderberechtigte Personen, Vertrag prüfen |
| Freies Depot oder ETF-Sparplan | Volle Flexibilität, kein Verrentungszwang | Kapitalerträge unterliegen der Abgeltungsteuer |
| Freiwillige Beiträge an die DRV | Erhöht die lebenslange gesetzliche Rente | 2026 zwischen 112,16 € und 1.571,70 € im Monat |
Ob sich die betriebliche Lösung in Ihrem Fall rechnet, prüfen Sie mit dem bAV-Rechner; die Zulagenförderung rechnet der Riester-Rechner aus. Für ein selbst gestecktes Sparziel ohne Produktbindung hilft der Sparziel-Rechner.
Welche Fehler machen Sparer bei der Rentenlücke?
Der häufigste Fehler ist, die Bruttorente aus der Renteninformation für das verfügbare Geld zu halten. Von 1.913,40 Euro brutto bleiben nach Kranken- und Pflegeversicherung 1.677,10 Euro, und davon sind bei Rentenbeginn 2026 noch 84 Prozent steuerpflichtig. Wer brutto mit netto verwechselt, unterschätzt seine Lücke um mehr als 12 Prozent.
Der zweitgrößte Fehler ist die vergessene Inflation. 2.500 Euro Kaufkraft entsprechen bei 2,0 Prozent Inflation in 25 Jahren 4.102 Euro. Eine private Rente über nominal 500 Euro, die heute üppig klingt, ist zum Rentenbeginn nur noch rund 305 Euro wert.
Ein dritter Punkt: Die Renteninformation der DRV rechnet Ihre bisherigen Entgeltpunkte hoch und unterstellt dabei, dass Ihr Durchschnittsverdienst der letzten fünf Jahre bis zum Rentenbeginn anhält. Teilzeit, Elternzeit, Arbeitslosigkeit oder ein Wechsel in die Selbstständigkeit verändern das Ergebnis erheblich, und zwar meist nach unten.
Ein vierter Fehler betrifft den Rechner selbst: Wer 7 Prozent Rendite und 1 Prozent Inflation eingibt, bekommt eine angenehm kleine Sparrate angezeigt, hat die Annahmen aber nur schöngerechnet. Realistisch sind langfristig 2 Prozent Inflation, das erklärte Ziel der Europäischen Zentralbank, und eine Rendite, die zu Ihrer tatsächlichen Anlage passt. Prüfen Sie im Zweifel, wie stark die Sparrate steigt, wenn Sie die Rendite um einen Prozentpunkt senken.
Schließlich rechnen viele mit einer zu kurzen Rentendauer. Wer mit 67 in Rente geht, hat statistisch noch rund 20 Jahre vor sich, Frauen eher mehr. Eine Planung über nur 15 Jahre spart auf dem Papier Kapital, verlagert das Risiko aber in das hohe Alter, in dem Nachsparen ausgeschlossen ist.