Wie berechnet der Inflationsrechner den Kaufkraftverlust?
Der Inflationsrechner teilt Ihren heutigen Betrag durch (1 + Inflationsrate) hoch Anzahl der Jahre. 10.000 Euro geteilt durch 1,02 hoch 10 ergeben 8.203,48 Euro: So viel ist Ihr Geld nach 10 Jahren bei 2 Prozent Inflation real noch wert. Der Kaufkraftverlust beträgt 1.796,52 Euro, also 17,97 Prozent.
Entscheidend ist, was diese Zahl bedeutet. Auf Ihrem Konto stehen weiterhin 10.000 Euro. Sie können sich dafür aber nur noch das kaufen, was heute 8.203 Euro kostet. Die Inflation nimmt Ihnen kein Geld weg, sie entwertet es.
Der Rechner oben unterstellt eine konstante Inflationsrate über den gesamten Zeitraum. Das ist eine Modellannahme, keine Prognose. Die tatsächliche Teuerung schwankt jedes Jahr, wie die amtliche Reihe des Statistischen Bundesamts weiter unten zeigt.
Welche Formel steckt hinter der Kaufkraftberechnung?
Die Formel lautet: Kaufkraft = Betrag geteilt durch (1 + i) hoch n, wobei i die Inflationsrate als Dezimalzahl und n die Anzahl der Jahre ist. Bei 10.000 Euro, 2,3 Prozent und 20 Jahren rechnen Sie 10.000 geteilt durch 1,023 hoch 20 = 6.345,81 Euro.
Das ist die Umkehrung der Zinseszinsformel. Beim Zinseszins-Rechner multiplizieren Sie mit dem Aufzinsungsfaktor, hier teilen Sie durch ihn. Deshalb wirkt Inflation genauso exponentiell wie Zinsen, nur in die andere Richtung.
Ein häufiger Denkfehler: 2 Prozent Inflation über 10 Jahre sind nicht 20 Prozent Kaufkraftverlust. Sie sind 17,97 Prozent, weil sich der Verlust jedes Jahr auf einen bereits geschrumpften Betrag bezieht. Bei langen Zeiträumen unterschätzt die einfache Multiplikation den Effekt dagegen deutlich: 2 Prozent über 30 Jahre kosten nicht 60 Prozent, sondern 44,8 Prozent der Kaufkraft, und der Restwert liegt bei 5.521 Euro statt bei 4.000 Euro.
Wie hoch ist die Inflation in Deutschland 2026?
Die Inflationsrate in Deutschland lag im Juni 2026 bei 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie bei 2,5 Prozent (Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 10. Juli 2026). Der Verbraucherpreisindex stand damit bei 124,6 Punkten auf Basis 2020 = 100.
Dieser Indexstand ist die vielleicht wichtigste Zahl der Tabelle: 124,6 Punkte bedeuten, dass Waren und Dienstleistungen in Deutschland seit 2020 im Schnitt um 24,6 Prozent teurer geworden sind. 10.000 Euro aus dem Jahr 2020 haben im Juni 2026 noch eine Kaufkraft von 8.025,68 Euro. Um sich heute dasselbe leisten zu können wie 2020 mit 10.000 Euro, brauchen Sie 12.460 Euro.
| Jahr | Inflationsrate (Jahresdurchschnitt) | Kaufkraft von 10.000 Euro aus 2020 |
|---|---|---|
| 2021 | +3,1 % | 9.699 € |
| 2022 | +6,9 % | 9.073 € |
| 2023 | +5,9 % | 8.568 € |
| 2024 | +2,2 % | 8.383 € |
| 2025 | +2,2 % | 8.203 € |
| Juni 2026 (Vorjahresmonat) | +2,3 % | 8.026 € (Index 124,6) |
Die Werte für 2021 bis 2024 nennt das Statistische Bundesamt in seiner Jahresmeldung zur Inflationsrate 2024, den Wert für 2025 in der Jahresmeldung zur Inflationsrate 2025. Der Wert für 2022 lautet 6,9 Prozent und nicht die damals gemeldeten 7,9 Prozent, weil Destatis den Index 2023 auf das Basisjahr 2020 umgestellt und die Reihe neu berechnet hat.
Über die fünf Jahre 2021 bis 2025 summiert sich die Teuerung auf 21,9 Prozent, das entspricht durchschnittlich 4,04 Prozent pro Jahr. Wer für diese Periode mit dem oft genutzten Daumenwert von 2 Prozent gerechnet hat, hat den Kaufkraftverlust um mehr als die Hälfte unterschätzt.
Rechenbeispiel: Was werden aus 10.000 Euro bei 2,3 Prozent Inflation?
Bei der aktuellen Inflationsrate von 2,3 Prozent schrumpft die Kaufkraft von 10.000 Euro in 10 Jahren auf 7.966,06 Euro und in 30 Jahren auf 5.055,11 Euro. Der Verlust nach 30 Jahren beträgt 4.944,89 Euro, also fast genau die Hälfte des Ausgangsbetrags.
| Zeitraum | Rechenweg | Kaufkraft | Kaufkraftverlust |
|---|---|---|---|
| nach 1 Jahr | 10.000 ÷ 1,023 | 9.775,17 € | 224,83 € (2,2 %) |
| nach 5 Jahren | 10.000 ÷ 1,0235 | 8.925,28 € | 1.074,72 € (10,7 %) |
| nach 10 Jahren | 10.000 ÷ 1,02310 | 7.966,06 € | 2.033,94 € (20,3 %) |
| nach 20 Jahren | 10.000 ÷ 1,02320 | 6.345,81 € | 3.654,19 € (36,5 %) |
| nach 30 Jahren | 10.000 ÷ 1,02330 | 5.055,11 € | 4.944,89 € (49,4 %) |
Übertragen auf ein Sparziel heißt das: Wer heute 50.000 Euro für eine Anschaffung in 20 Jahren zurücklegt und das Geld unverzinst liegen lässt, hat dann real noch 31.729 Euro. Wie viel Sie stattdessen monatlich zurücklegen müssen, um ein reales Ziel zu erreichen, rechnet der Sparziel-Rechner aus.
Wann halbiert sich die Kaufkraft Ihres Geldes?
Bei 2,3 Prozent Inflation halbiert sich die Kaufkraft nach 30,5 Jahren, bei 2 Prozent nach 35,0 Jahren und bei 5 Prozent bereits nach 14,2 Jahren. Die Rechnung dahinter ist ln(2) geteilt durch ln(1 + Inflationsrate).
| Inflationsrate p. a. | Kaufkraft halbiert nach | Von 10.000 € bleiben nach 20 Jahren |
|---|---|---|
| 1,5 % | 46,6 Jahre | 7.425 € |
| 2,0 % (EZB-Ziel) | 35,0 Jahre | 6.730 € |
| 2,3 % (Juni 2026) | 30,5 Jahre | 6.346 € |
| 2,9 % (Bundesbank-Projektion 2026) | 24,2 Jahre | 5.645 € |
| 3,5 % | 20,1 Jahre | 5.026 € |
| 5,0 % | 14,2 Jahre | 3.769 € |
Für die Altersvorsorge ist die zweite Spalte die relevante. Wer mit 37 Jahren eine Rentenlücke in heutigen Euro berechnet und mit 67 in Rente geht, muss den Betrag bei 2,3 Prozent Inflation praktisch verdoppeln, um denselben Lebensstandard zu finanzieren. Die nominale Lücke ermittelt der Rentenlücken-Rechner, die Entnahmephase plant der Entnahmeplan-Rechner.
Was bleibt nach Abgeltungsteuer und Inflation real übrig?
Ein Tagesgeldkonto mit 3 Prozent Zinsen bringt bei 2,3 Prozent Inflation eine Realrendite von nur 0,68 Prozent vor Steuern. Nach Abgeltungsteuer wird daraus in vielen Fällen ein Minus. Der Grund: Der Staat besteuert den nominalen Zins, nicht den realen Zugewinn.
Auf Kapitalerträge fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer an (§ 32d Abs. 1 EStG), zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag darauf, zusammen 26,375 Prozent. Steuerfrei bleiben Kapitalerträge bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr, bei zusammen veranlagten Ehegatten 2.000 Euro (§ 20 Abs. 9 EStG).
| Rechenschritt (50.000 € Tagesgeld, 3 % Zinsen, ein Jahr) | Betrag |
|---|---|
| Zinsertrag nominal (50.000 € × 3 %) | 1.500,00 € |
| abzüglich Sparer-Pauschbetrag (§ 20 Abs. 9 EStG) | −1.000,00 € |
| steuerpflichtiger Kapitalertrag | 500,00 € |
| Abgeltungsteuer plus Soli (26,375 %) | −131,88 € |
| Zinsertrag nach Steuern | 1.368,13 € (2,736 %) |
| Kaufkraftverlust durch 2,3 % Inflation | −1.150,00 € |
| realer Zugewinn nach Steuern und Inflation | 218,13 € (0,43 %) |
Ist der Sparer-Pauschbetrag bereits durch andere Erträge ausgeschöpft, kippt die Rechnung: Aus 3 Prozent nominal werden nach 26,375 Prozent Steuer 2,209 Prozent, und gegen 2,3 Prozent Inflation gerechnet ergibt das eine Realrendite von minus 0,09 Prozent. Über 10 Jahre werden aus 10.000 Euro dann zwar nominal 12.441,73 Euro, real aber nur 9.911,16 Euro, also weniger als der Einsatz. Die Steuerlast auf Ihre eigenen Erträge rechnet der Abgeltungssteuer-Rechner genau aus, die jährliche Vorbelastung von Fonds der Vorabpauschale-Rechner.
Merksatz für die Praxis: Ihre Anlage schlägt die Inflation erst, wenn die Rendite nach Steuern über der Inflationsrate liegt. Bei 26,375 Prozent Abgeltungsteuer und 2,3 Prozent Inflation brauchen Sie dafür mindestens 3,12 Prozent nominal, sofern der Sparer-Pauschbetrag ausgeschöpft ist.
Welche Inflationsrate sollten Sie im Rechner ansetzen?
Für langfristige Planungen sind 2 Prozent der begründbare Standardwert, denn die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig eine Inflationsrate von 2 Prozent an und versteht dieses Ziel symmetrisch (EZB, Preisstabilitätsziel). Wer konservativ rechnen möchte, setzt 2,5 bis 3 Prozent an.
Für die nähere Zukunft gibt es eine amtliche Projektion. Die Deutsche Bundesbank erwartet in ihrer Prognose vom 12. Juni 2026 eine HVPI-Inflationsrate von 2,9 Prozent für 2026, 2,7 Prozent für 2027 und 1,9 Prozent für 2028 (Deutschland-Prognose der Bundesbank). Für einen Zeitraum von mehr als drei Jahren existiert keine belastbare offizielle Prognose, weshalb jede Zahl im Rechner ab dann eine Annahme bleibt.
Sinnvoll ist deshalb, zwei Szenarien zu rechnen: eines mit 2 Prozent und eines mit 3 Prozent. Der Unterschied ist erheblich. Bei 10.000 Euro über 20 Jahre trennen die beiden Annahmen 6.730 Euro und 5.537 Euro Restkaufkraft, also fast 1.200 Euro.
Welche Fehler passieren beim Rechnen mit Inflation am häufigsten?
Der teuerste Fehler ist, Gehalt und Rente nominal zu vergleichen. Die Nominallöhne in Deutschland stiegen im ersten Quartal 2026 um 4,1 Prozent, die Verbraucherpreise um 2,2 Prozent, sodass die Reallöhne um 1,8 Prozent zulegten (Statistisches Bundesamt, Reallöhne 1. Quartal 2026). Eine Gehaltserhöhung von 2 Prozent bei 2,3 Prozent Inflation ist real eine Kürzung.
Rechnen Sie eine Erhöhung deshalb immer doppelt: netto und real. Vom Bruttozuwachs bleibt nach Steuern und Sozialabgaben nur ein Teil übrig, und von diesem Teil zieht die Inflation nochmals ab. Was von einer Erhöhung netto ankommt, zeigt der Gehaltserhöhungs-Rechner.
Zweiter Fehler: die amtliche Rate mit der eigenen zu verwechseln. Der Verbraucherpreisindex misst einen Durchschnittshaushalt. Im Juni 2026 lagen die Preise für Verkehr um 5,0 Prozent über dem Vorjahr, für Nahrungsmittel nur um 0,6 Prozent und für Wohnung, Wasser und Energie um 1,3 Prozent. Wer viel pendelt, hat eine deutlich höhere persönliche Inflationsrate als die gemeldeten 2,3 Prozent.
Dritter Fehler: Kerninflation und Gesamtinflation gleichzusetzen. Die Kerninflation klammert Nahrungsmittel und Energie aus und lag im Juni 2026 mit 2,5 Prozent über der Gesamtrate von 2,3 Prozent. Für Ihre Haushaltskasse ist die Gesamtrate maßgeblich, denn Sie bezahlen auch Tanken und Heizen.
Vierter Fehler: Inflation bei Krediten nur als Nachteil zu sehen. Bei einem festverzinsten Darlehen entwertet die Inflation auch die Restschuld, denn Sie tilgen künftig mit Geld, das weniger wert ist. Eine Restschuld von 200.000 Euro entspricht nach 10 Jahren bei 2,3 Prozent Inflation real nur noch 159.321 Euro. Die nominale Belastung bleibt davon unberührt und ergibt sich aus Zins und Tilgung, wie sie der Kredit-Rechner ausweist.