Modul 6: Firmenwagen, Jobticket und DienstradModul 6 · Lektion 1 von 3
Firmenwagen: Ein-Prozent-Regelung oder Fahrtenbuch
5 Minuten Lesezeit·Lektion 16 von 18 im Kurs
Die private Nutzung eines Firmenwagens ist ein geldwerter Vorteil. Sie haben 2 Wege: die pauschale Ein-Prozent-Regelung auf Basis des Bruttolistenpreises oder ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch mit den tatsächlichen Kosten. Die Rechtsgrundlage ist § 8 Absatz 2 EStG.
Zwei Methoden, ein Ergebnis auf der Lohnabrechnung
Nach § 8 Absatz 2 EStG wird die private Nutzungsmöglichkeit pauschal bewertet. Die bekannte Ein-Prozent-Regelung knüpft an den inländischen Bruttolistenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung an, gerundet auf volle hundert Euro, und zwar auch dann, wenn der Wagen gebraucht übernommen wurde.
Für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte kommt ein weiterer, im selben Paragrafen geregelter Zuschlag hinzu, der an die Entfernungskilometer anknüpft. Alternativ weisen Sie die private Nutzung mit einem lückenlosen Fahrtenbuch nach und versteuern nur den tatsächlichen privaten Anteil an den Gesamtkosten.
Wann sich welche Methode lohnt
| Situation | Günstiger | Warum |
|---|---|---|
| Viele Privatkilometer | Ein-Prozent-Regelung | pauschal, unabhängig vom Umfang |
| Wenige Privatkilometer | Fahrtenbuch | versteuert wird nur der echte Anteil |
| Hoher Listenpreis, alter Wagen | Fahrtenbuch | Pauschale hängt am Neupreis, nicht am Zeitwert |
| Kurzer Arbeitsweg | Ein-Prozent-Regelung | Zuschlag für den Arbeitsweg fällt gering aus |
| Reines Elektrofahrzeug | meist Ein-Prozent-Regelung | reduzierte Bemessungsgrundlage nach § 6 EStG |
Bei reinen Elektrofahrzeugen wird nach § 6 Absatz 1 Nummer 4 EStG nur ein Bruchteil des Bruttolistenpreises angesetzt, solange dieser eine gesetzlich festgelegte Grenze nicht übersteigt. Diese Grenze wurde mehrfach angehoben, maßgeblich ist die für Ihr Fahrzeug geltende Fassung.
Und die Pendlerpauschale?
Sie bleibt. Trotz Firmenwagen dürfen Sie die Entfernungspauschale für Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte als Werbungskosten ansetzen. Versteuert wird der geldwerte Vorteil, abgezogen wird der Arbeitsweg, beides steht nebeneinander.
Die Belastung durch den geldwerten Vorteil rechnet der Firmenwagen-Rechner. Wie sich das im Monat auswirkt, zeigt der Brutto-Netto-Rechner.
Selbst ausrechnen
Die Zahlen oben sind ein Beispiel. Hier rechnen Sie Ihren eigenen Fall.
§Ihre Angaben
Amtliche Sätze 2026Was Sie der Firmenwagen ungefähr kostet
Kosten ca. 252 € / Monat
Der geldwerte Vorteil von 720 € pro Monat wird wie Gehalt versteuert. Bei Ihrem Grenzsteuersatz von 35 % ergibt das die angezeigten Steuerkosten, zzgl. Sozialabgaben (hier vereinfacht nicht berücksichtigt).
| Geldwerter Vorteil / Monat | 720 € |
| Davon 1 %-Anteil | 450 € |
| Fahrweg-Anteil (0,03 % je Entfernungs-km) | 270 € |
| Ihr Grenzsteuersatz | 35 % |
| Steuerkosten / Jahr | 3.024 € |
Firmenwagen oder eigenes Auto plus Gehaltserhöhung?
| Firmenwagen: Steuerkosten / Monat | 252 € |
| Alternative: Gehaltszuschuss (brutto) | 400 € |
| Davon bleibt netto (Grenzsteuersatz 35 % + ca. 9 % Sozialabgaben) | 224 € |
| Netto-Budget fürs eigene Auto | 224 € / Monat |
Der Firmenwagen ist hier klar günstiger: Vom Zuschuss blieben nur 224 € netto, weniger als die 252 € Steuerkosten des Firmenwagens. Und beim Firmenwagen trägt der Arbeitgeber zusätzlich Anschaffung, Versicherung, Wartung und oft auch den Kraftstoff.
✓Stand: Steuerjahr 2026 · Schätzung nach amtlichen Sätzen · keine Steuerberatung
✓Was Ihr Ergebnis bedeutet
Der geldwerte Vorteil von 720 € ist kein echtes Geld
Das Finanzamt behandelt die private Nutzung wie zusätzliches Gehalt: 450 € aus der 1 %-Regel plus 270 € für den Arbeitsweg werden Ihrem Lohn zugerechnet und versteuert. Sie zahlen also nur die Steuer darauf, nicht den Betrag selbst.
Als E-Auto würde derselbe Wagen nur ca. 63 € statt 252 € im Monat kosten
Für reine E-Autos bis 70.000 Euro Listenpreis wird nur ein Viertel des Listenpreises angesetzt. Der geldwerte Vorteil sinkt von 720 € auf 180 €, die Steuerkosten um 189 € pro Monat, also 2.268 € im Jahr.
Wenig Privatnutzung? Dann kann das Fahrtenbuch günstiger sein
Die pauschale Methode unterstellt viel Privatnutzung. Wer den Wagen fast nur dienstlich fährt, versteuert mit einem ordnungsgemäßen Fahrtenbuch nur den tatsächlichen Privatanteil der Fahrzeugkosten. Faustregel: Bei deutlich unter 20 Prozent Privatanteil lohnt sich das Nachrechnen fast immer.
Das Wichtigste
- Der geldwerte Vorteil folgt entweder der Ein-Prozent-Regelung oder dem Fahrtenbuch
- Maßgeblich ist immer der Bruttolistenpreis bei Erstzulassung, nicht der Kaufpreis
- Für Elektrofahrzeuge gilt eine reduzierte Bemessungsgrundlage nach § 6 EStG
- Die Entfernungspauschale bleibt trotz Firmenwagen abziehbar
Quellen
Zuletzt geprüft: 28. Juli 2026