Was ist Steuererstattung und wer zahlt es?
Die Steuererstattung ist die Rückzahlung von Lohnsteuer, die während des Jahres monatlich vom Gehalt einbehalten und an das Finanzamt abgeführt wurde. Grundlage ist Paragraf 46 des Einkommensteuergesetzes, nach dem das Finanzamt am Jahresende die tatsächliche Steuerschuld berechnet und mit den bereits gezahlten Beträgen vergleicht. Wurde mehr einbehalten als geschuldet, erhalten Sie die Differenz zurück, meist automatisch aufs Konto.
Der Lohnsteuerabzug während des Jahres ist eine grobe Schätzung, die auf einem gleichmäßigen Monatsgehalt basiert. Wer im Jahresverlauf den Job wechselt, in Elternzeit geht, zeitweise arbeitslos ist oder Werbungskosten hat, für die kein Abzug im laufenden Jahr berücksichtigt wurde, zahlt fast immer zu viel. Die Steuererklärung ist der einzige Weg, diese Differenz zurückzuholen.
Die durchschnittliche Erstattung liegt bei über 1.000 Euro im Jahr, und dennoch reichen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die dazu nicht verpflichtet sind, keine Erklärung ein. Der Grund ist meist die Annahme, der Aufwand lohne sich nicht oder die eigene Situation sei zu einfach für eine Erstattung. Gerade bei einfachen Lohnsteuerfällen ist die Erklärung über die vorausgefüllte Steuererklärung in ELSTER aber in überschaubarer Zeit erledigt.
Wer nicht zur Abgabe verpflichtet ist, gibt freiwillig ab und riskiert dabei nichts außer der eigenen Zeit. Ergibt die freiwillige Erklärung ausnahmsweise eine Nachzahlung, kann sie innerhalb der Einspruchsfrist zurückgenommen werden, sodass der Antrag dann so behandelt wird, als sei er nie gestellt worden. Dieses Rückgaberecht kennen die wenigsten, und es nimmt der freiwilligen Abgabe jedes finanzielle Risiko.
Wer bekommt Steuererstattung?
Diese Voraussetzungen entscheiden. Prüfen Sie sie der Reihe nach gegen Ihre eigene Lage; eine einzige davon nicht zu erfüllen bedeutet nicht automatisch, dass kein Anspruch besteht.
- Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, von deren Lohn monatlich Lohnsteuer einbehalten wurde.
- Besonders lohnend bei Pendelstrecken, Homeoffice, Fortbildung, doppelter Haushaltsführung, Kinderbetreuungskosten oder hohen Krankheitskosten.
- Auch bei unterjährigem Jobwechsel, Elternzeit oder Arbeitslosigkeit im Jahr: Dann wurde meist zu viel Steuer einbehalten.
- Wer nicht zur Abgabe verpflichtet ist, gibt freiwillig ab und riskiert dabei nichts.
Wie viel Steuererstattung steht Ihnen zu?
| Kennzahlen zur Steuererstattung | Betrag |
|---|---|
| Durchschnittliche Erstattung | über 1.000 Euro im Jahr |
| Werbungskosten-Pauschale ohne Nachweise | 1.230 Euro |
| Frist für freiwillige Erklärung | 4 Jahre rückwirkend |
| Frist bei Abgabepflicht | 31. Juli des Folgejahres |
| Frist bei steuerlicher Beratung | verlängert, je nach Beratungsfall |
| Bearbeitungsdauer bis zum Bescheid | in der Regel 4 bis 12 Wochen |
Besonders lohnend ist die Erklärung bei Pendelstrecken, Homeoffice, Fortbildung, doppelter Haushaltsführung, Kinderbetreuungskosten, Handwerkerleistungen und hohen Krankheitskosten. Diese Ausgaben werden als Werbungskosten oder Sonderausgaben von der Steuer abgezogen und senken das zu versteuernde Einkommen, was die Erstattung erhöht. Ohne Nachweise werden Werbungskosten pauschal mit 1.230 Euro anerkannt, wer aber mehr an tatsächlichen Kosten hat, sollte Belege sammeln und die Einzelposten eintragen.
Besonders häufig übersehen wird der Fall des unterjährigen Jobwechsels, der Elternzeit oder der Arbeitslosigkeit im Jahr. In diesen Monaten wurde entweder kein Gehalt gezahlt oder ein niedrigeres, während der Lohnsteuerabzug in den übrigen Monaten von einem durchgehend hohen Jahreseinkommen ausging. Das führt fast immer zu einer Überzahlung, die nur durch eine Steuererklärung korrigiert wird.
Die Abgabe erfolgt kostenlos über ELSTER, das Online-Portal der Finanzverwaltung, ohne dass eine zusätzliche Software gekauft werden muss. Die vorausgefüllte Steuererklärung übernimmt viele Daten automatisch: Lohndaten vom Arbeitgeber, Rentenbezüge und gemeldete Versicherungsbeiträge sind dort bereits hinterlegt und müssen nur noch geprüft und ergänzt werden. Das senkt den Aufwand erheblich gegenüber einer vollständig händisch ausgefüllten Erklärung.
Wer zur Abgabe verpflichtet ist, etwa weil mehrere Arbeitgeber im Jahr gezahlt haben oder Nebeneinkünfte vorliegen, muss die Erklärung bis zum 31. Juli des Folgejahres einreichen. Mit steuerlicher Beratung verlängert sich diese Frist. Wer dagegen freiwillig abgibt, hat deutlich mehr Zeit: Die freiwillige Erklärung ist vier Jahre rückwirkend möglich, sodass sich mehrere Jahre auf einmal nachholen lassen, wenn bisher keine Erklärung eingereicht wurde.
Beispiel: Erstattung nach unterjährigem Jobwechsel
Ein durchgerechneter Fall sagt mehr als jede Voraussetzungenliste. Die Zahlen sind gerundet und ersetzen keinen Bescheid, zeigen aber die Größenordnung.
| Position | Wert |
|---|---|
| Ausgangslage | Jobwechsel im Juli, drei Monate ohne Gehalt dazwischen |
| Lohnsteuerabzug während des Jahres | berechnet auf Basis der Monate mit Gehalt, zu hoch für das Jahr insgesamt |
| Werbungskosten | Fahrtkosten zur neuen Arbeitsstelle und Bewerbungskosten, zusammen über der Pauschale |
| Abgabe | vorausgefüllte Steuererklärung über ELSTER, Lohndaten beider Arbeitgeber bereits hinterlegt |
| Werbungskosten eintragen | Fahrtkosten und Bewerbungskosten statt der Pauschale von 1.230 Euro angesetzt |
| Bearbeitung durch das Finanzamt | Bescheid nach rund 8 Wochen |
| Ergebnis | Erstattung deutlich über dem Durchschnittswert von 1.000 Euro |
Entscheidend in diesem Beispiel ist, dass der Lohnsteuerabzug während der Monate mit Gehalt von einem durchgehenden Jahreseinkommen ausgegangen ist, das tatsächlich nicht erreicht wurde. Zusammen mit den zusätzlichen Werbungskosten für den Jobwechsel ergibt sich eine Erstattung, die über dem Durchschnitt liegt. Wer nach einem Jobwechsel oder einer Phase ohne Gehalt keine Erklärung abgibt, verschenkt in aller Regel Geld, weil das Finanzamt diese Korrektur nicht automatisch vornimmt.
So beantragen Sie Steuererstattung
In dieser Reihenfolge, weil jeder Schritt den nächsten möglich macht. Ein unvollständiger Antrag wahrt in der Regel bereits die Frist, Unterlagen lassen sich nachreichen.
- Erklärung über ELSTER abgeben, kostenlos und ohne Software.
- Die vorausgefüllte Steuererklärung nutzen: Lohndaten, Renten und Versicherungsbeiträge sind dort bereits hinterlegt.
- Werbungskosten eintragen. Ohne Nachweise werden pauschal 1.230 Euro anerkannt, darüber lohnt sich Belegsammeln.
- Der Bescheid kommt in der Regel nach vier bis zwölf Wochen, die Erstattung folgt automatisch.
Welche Unterlagen brauchen Sie?
Legen Sie diese Unterlagen vor dem Ausfüllen bereit. Fehlende Nachweise sind der häufigste Grund, warum sich eine Bewilligung um Wochen verzögert.
- Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers
- Steuer-Identifikationsnummer
- Nachweise über Fahrtkosten, Fortbildung und Arbeitsmittel
- Bescheinigungen über Versicherungsbeiträge
- Rechnungen für Handwerker und haushaltsnahe Dienstleistungen
- Nachweise über Kinderbetreuungskosten
Ab wann wird gezahlt, und gibt es Geld rückwirkend?
- Die freiwillige Erklärung ist vier Jahre rückwirkend möglich. Es können also mehrere Jahre auf einmal eingereicht werden.
- Wer zur Abgabe verpflichtet ist, muss bis zum 31. Juli des Folgejahres abgeben, mit Steuerberatung später.
- Ergibt die freiwillige Erklärung ausnahmsweise eine Nachzahlung, kann sie innerhalb der Einspruchsfrist zurückgenommen werden.
Die häufigsten Irrtümer
Diese Annahmen halten mehr Menschen von einem Antrag ab als die tatsächlichen Voraussetzungen.
Für mich lohnt sich das nicht. Das ist der häufigste Grund, warum Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keine freiwillige Erklärung abgeben. Die durchschnittliche Erstattung liegt aber bei über 1.000 Euro im Jahr, und schon Fahrtkosten zur Arbeit, Homeoffice-Tage oder Fortbildungen reichen häufig aus, um über die Pauschale von 1.230 Euro zu kommen. Wer nie gerechnet hat, weiß nicht, was er verschenkt.
Ich habe die Frist verpasst. Bei der freiwilligen Erklärung gibt es faktisch keine verpasste Frist im üblichen Sinn, weil sie vier Jahre rückwirkend möglich ist. Nur wer zur Abgabe verpflichtet ist, muss die Frist bis zum 31. Juli des Folgejahres einhalten. Viele verwechseln diese Pflichtfrist mit der viel großzügigeren Frist für die freiwillige Abgabe und reichen deshalb gar nichts mehr ein.
Ohne Belege lohnt sich keine Erklärung. Auch ohne einen einzigen Beleg wird die Pauschale von 1.230 Euro für Werbungskosten automatisch anerkannt, ohne dass Sie irgendetwas nachweisen müssen. Diese Pauschale allein senkt bereits das zu versteuernde Einkommen und kann zu einer Erstattung führen. Belege lohnen sich erst zusätzlich, wenn die tatsächlichen Kosten über dieser Pauschale liegen.
Sonderfälle, die häufig übersehen werden
Die Regelfälle stehen oben. Diese Konstellationen entscheiden in der Praxis über viele Anträge und stehen in keinem Merkblatt an prominenter Stelle.
Elternzeit und Kurzarbeit im Jahr. Wer einen Teil des Jahres in Elternzeit war oder Kurzarbeitergeld bezogen hat, hatte in diesen Monaten kein oder ein reduziertes Gehalt, während der Lohnsteuerabzug in den übrigen Monaten auf ein durchgehend höheres Jahreseinkommen ausgelegt war. Das führt fast immer zu einer Überzahlung. Lohnersatzleistungen wie Elterngeld oder Kurzarbeitergeld müssen zwar in der Erklärung angegeben werden, führen aber selbst meist nicht zu einer Nachzahlung, weil sie nur den Steuersatz beeinflussen.
Mehrere Jahre auf einmal nachholen. Da die freiwillige Erklärung vier Jahre rückwirkend möglich ist, können Sie in einem Jahr mehrere frühere Erklärungen gleichzeitig einreichen, wenn bisher keine Abgabe erfolgt ist. Jedes Jahr wird dabei einzeln berechnet, mit den jeweils damals gültigen Pauschbeträgen und Regeln. Wer über mehrere Jahre nichts eingereicht hat, sollte prüfen, welche der vier möglichen Jahre die höchste Erstattung versprechen und zuerst bearbeitet werden.
Doppelte Haushaltsführung und Fortbildung. Wer aus beruflichen Gründen eine zweite Wohnung am Arbeitsort unterhält, kann Mietkosten, Fahrten zur Hauptwohnung und Verpflegungsmehraufwand für eine Übergangszeit als Werbungskosten absetzen. Auch berufliche Fortbildungskosten, etwa für Lehrgänge, Fachliteratur oder Arbeitsmittel, zählen dazu. Diese Kosten liegen häufig deutlich über der Pauschale von 1.230 Euro und lohnen sich fast immer, wenn Belege vorhanden sind.
Nachzahlung bei der freiwilligen Erklärung. In seltenen Fällen ergibt die freiwillige Erklärung statt einer Erstattung eine Nachzahlung, etwa wenn Nebeneinkünfte oder Kapitalerträge nachträglich bekannt werden. Weil die Abgabe in diesem Fall freiwillig war, kann sie innerhalb der Einspruchsfrist zurückgenommen werden, sodass der Antrag so behandelt wird, als sei er nie gestellt worden. Dieses Rückgaberecht besteht nur bei freiwilliger Abgabe, nicht bei Abgabepflicht.
Was tun, wenn der Antrag abgelehnt wird?
Steuerbescheide enthalten regelmäßig Fehler, vor allem wenn Werbungskosten nicht vollständig berücksichtigt oder falsch übernommen wurden. Prüfen Sie den Bescheid Zeile für Zeile gegen Ihre eigene Erklärung und legen Sie innerhalb der Einspruchsfrist von einem Monat Einspruch beim zuständigen Finanzamt ein, wenn Posten fehlen oder falsch berechnet wurden. Der Einspruch ist formlos möglich und sollte kurz begründet werden, welche Position fehlerhaft ist.
Ein Widerspruch ist formlos möglich und kostet nichts. Ein Satz genügt: dass Sie dem Bescheid vom Datum X widersprechen und die Begründung nachreichen. Die Frist beträgt einen Monat ab Bekanntgabe; welches Gericht anschließend zuständig ist, steht in der Rechtsbehelfsbelehrung Ihres Bescheids. Kostenlose Hilfe bekommen Sie bei den Sozialverbänden VdK und SoVD, bei Caritas und Diakonie und bei den Verbraucherzentralen.
Wo Sie kostenlose Hilfe beim Antrag bekommen
Sie müssen das nicht allein ausfüllen, und Beratung kostet nichts. Nach Paragraf 14 SGB I hat jede Behörde eine gesetzliche Beratungspflicht: Die Stelle, bei der Sie beantragen, muss Ihnen beim Ausfüllen helfen und Sie auf Leistungen hinweisen, die Ihnen zustehen. Bestehen Sie darauf, wenn Sie abgewiesen werden.
Unabhängig beraten die Sozialverbände VdK und SoVD, die Wohlfahrtsverbände Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt und Paritätischer, die Verbraucherzentralen sowie die allgemeinen Sozialberatungsstellen der Kommunen. Für Mietfragen kommen die Mietervereine dazu, bei Schulden die anerkannten Schuldnerberatungsstellen. Diese Stellen kennen die örtliche Praxis der Ämter, was bei Ermessensentscheidungen oft mehr wert ist als die Kenntnis des Gesetzestextes.
Geht es um einen Widerspruch oder eine Klage vor dem Sozialgericht, gibt es Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe. Verfahren vor den Sozialgerichten sind für Versicherte und Leistungsempfänger gerichtskostenfrei. Der Gang zum Sozialgericht ist also kein finanzielles Risiko, und ein erheblicher Teil der Klagen gegen Sozialleistungsbescheide hat zumindest teilweise Erfolg.
Welche Leistungen Sie zusätzlich prüfen sollten
Sozialleistungen hängen zusammen: Der Bezug der einen schaltet oft die nächste frei, und genau diese Kette kennt kaum jemand. Prüfen Sie mit dem Geld-Finder in einem Durchgang alle Leistungen für Ihren Haushalt.
Wohngeld beantragen · Kinderzuschlag beantragen · Entlastungsbetrag Pflege beantragen · Alle Leistungen im Überblick · Geld-Finder
Rechtsgrundlagen und amtliche Informationen: Einkommensteuergesetz, Paragraf 46 EStG, ELSTER, Online-Finanzamt, Bundesministerium der Finanzen, Steuererklärung, Einkommensteuergesetz, Werbungskosten-Pauschbetrag Paragraf 9a EStG.
